Ich hatte mir vorgenommen in 2016 das erste mal länger als 42,195 km zu laufen. Da bot sich die Bergische 50 sozusagen direkt vor der Haustüre an. Die Veranstaltung wird zwar für Wanderer organisiert aber auf Nachfrage beim Veranstalter war schnell klar, dass man sich sehr flexibel eingestellt hat und auch Läufer  zulässt. Als dann sicher war, dass alle Verpflegungsstationen so früh geöffnet waren, dass auch bei einem schnellen Lauf für ausreichender Nachschub in fester und flüssiger Form gesorgt war, stand fest, da nehme ich teil.

Ein Blick auf das Streckenprofil machte sehr deutlich, dass bei 1.200 Höhenmetern kein gleichmäßig / runder Lauf möglich war. In der 3-monatigen Vorbereitungszeit habe ich also viele Bergläufe integriert und daneben meinen Schwerpunkt auf Grundlagenausdauer gelegt. Obwohl ich wegen eines anderen sportlichen Highlights Ende Mai am Jahresanfang nur wenig und im Mai dann gar nicht mehr gelaufen bin, bin ich gut im Juni ins Training eingestiegen. Den ersten 30-km-Lauf habe ich allerdings nicht wie geplant Ende Juni, sondern erst Mitte Juli hinbekommen. Der letzte lange Lauf über 39 km am 12.08. lief wirklich gut. Ich fühlte mich also sehr gut vorbereitet und hatte als Ziel eine Zeit zwischen 5 ½ und 6 Stunden zu laufen.

Die Tage vor dem 28. August waren ja schon recht heiß gewesen, es kamen die ersten Zweifel auf, ob ich bei der auch für Sonntag angesagten Hitze eine so lange Strecke durchalten kann. Es kamen direkt die Erinnerungen an einen Marathon in Bonn hoch. Dort bin ich bei ungewöhnlicher Hitze im April mal nach 30 km ausgestiegen, weil ich es nicht mehr geschafft hatte, meinen Körper zu kühlen. Aber der Lauf fand für mich ja fast zu Hause statt. Und nachdem ich Tatjana (und mir) versprochen hatte auszusteigen, wenn es zu heiß wird, bin ich mit einem guten Gefühl zum Start nach Bergisch Gladbach gefahren.

Um 8 Uhr wurde gestartet. Ich habe mich noch im Starblock umgeschaut, um andere Läufer auszumachen, habe aber keinen gesehen. Dann der Startschuss, ich trabe langsam los. An den vordersten Wanderern vorbei geht es zur Spitze. Ich hörte so Bemerkungen wie „Ist der bescheuert?“ – das spornt mich an. Vorne weg sah ich einen ähnlich gekleideten „Bescheuerten“. Es ist Simon. Wir kommen schnell ins Gespräch. Er bereitet sich auf seinen ersten Marathon in Berlin vor und nutzt die Bergische 50 um einen 30-km-Lauf unter zu bringen. Und wenn es weiter als 30 km gehen sollte, um so besser.  Begleitet wurden wir von Ralf auf dem Führungsrad. Ein tolles Gefühl, dass sonst wohl nur die Läufer aus Kenia und Äthiopien kennen. Ralf führt das Family Fitness Studio in Kürten, man kennt sich und so waren wir zu dritt schnell im Gespräch. Wenn es auch direkt in Bergisch Gladbach und danach in Richtung Moitzfeld bergauf ging, lief trotzdem alles sehr glatt und unterhaltsam. Nach ca. 10 km gesellte sich Christopher dazu. Er hatte auch im Startblock nach Läufern Ausschau gehalten und ist erst später an den Wanderern vorbei gezogen.

Von da an zogen wir also zu dritt, begleitet durch das Führungsfahrrad in Richtung Kürten. Bis zur Halbmarathon-Distanz waren schon einige Berge zu bewältigen. Die Steilen sind wir gegangen, die Flacheren konnten wir gut laufen. Auf einem dieser flacheren Anstiege in Richtung Kürten Weier und anschließend nach Petersberg ist Simon etwas zurück geblieben, so dass ich ab da mit Christopher weiter gelaufen bin. Es ging dann weiter zu großen Verpflegungsstation in der Kürtener Gesamtschule bei ca. km 29. Eine herrliche kühle Halle, die wir sehr genossen haben. Mittlerweile war es 11.15 Uhr und schon wirklich sehr warm. Simon kommt gerade an, als Christopher und ich uns auf den Weg machen.

Ich habe mich an jeder Verpflegungsstation nicht nur innerlich reichlich mit Wasser versorgt, sondern mich auch mit reichlich Wasser überschüttet. Traumhaft war die Gartendusche, die Ralfs Tochter in Ahlendung rausgestellt hatte, und die kalten Handtücher, die Tatjana und Daria uns an die Strecke gebracht haben. Ich freue mich jeden Tag die beiden zu sehen, aber an diesem Tag mit den Erfrischungen war es noch mal etwas ganz besonderes. Zuerst standen Tatjana und Daria in Kürten am Tierheim. Ich hatte sie dort gar nicht erwartet und mir ging das Herz auf. Dann waren beide wieder in der Gesamtschule. Danach hatten wir die Bergstraße in Kürten zu bewältigen und große Teile der Strecke nach Bechen gingen bergauf oder in der glühenden Mittagssonne. Und in Bechen waren die beiden Engel dann wieder da. Bei km 38 um 12:45 Uhr.

Von da an hatte ich einen echten Durchhänger. Die beiden hatten sich bis nach Herrenstrunden verabschiedet. Aus Bechen heraus ging es an der B506 in unglaublicher Hitze weiter. Kurz vor dem Klettergarten hatten wir die Marathondistanz hinter uns und alles in mir sagte, warum hörst Du nicht auf. Aber erstens war Christopher noch bei mir und nach der Abzweigung von der B506 waren auf einmal auch Tatjana und Daria wieder da. Wir hatten 43 km geschafft und Motto war jetzt nur noch ankommen. Wir verabredeten uns zum nächsten Treff in Herrenstrunden. Dort warteten auch Rudolf und Jutta auf uns. Also „musste“ ich weiterlaufen.

Nach Herrenstrunden ging es meistens bergab, so langsam kam ich wieder in einen runderen Tritt. In Herrenstrunden bei km 46 das große Treffen.  Alle waren wie versprochen da, Jutta, Rudolf, Tatjana und Daria. Ach was tat das gut, ich musste mit meinen Endorphinen kämpfen. Aber es war ja noch nicht das Ende. Tatjana besorgte mir noch ein Cola für die letzte Etappe und dann ging es auch schon wieder los. Ein elend langer Berg bei km 46. Ich wusste zwar, dass er noch kommt, aber irgendwie kam er mir unheimlich lang vor und es wurde einfach nicht kühler. Dann die letzten 4 Kilometer. Es ging nach einem flachen Anstieg nur noch bergab. Wir kamen wieder in einen runden Tritt und konnten die letzten Kilometer durchlaufen. Kurz vor dem Ziel haben wir zum zweiten Mal den Weg verloren und drehen auf dem Marktplatz in Bergisch Gladbach noch eine Ehrenrunde. Dann Zieleinlauf. Nach 52 Kilometern laufen Christopher und ich gemeinsam über die Ziellinie.

Ganz ungewohnt danach. Wir werden interviewt vom Moderator, vom Veranstalter und von der Presse. Viel los ist nicht auf dem Marktplatz, nach einer warmen Apfelschorle verabschieden wir uns und ich GEHE zurück zum Auto. Übrigens kommen jetzt die ersten Wolken, die die Sonne verdecken. Von mir aus hätten sich auch schon ein paar Stunden früher für Abkühlung sorgen dürfen. Simon habe ich leider verpasst, er kommt ca. eine Viertelstunde nach uns ins Ziel, ist also bestens vorbereitet für den Berlin Marathon.

Was kommt jetzt? Nach einem Ruhetag werde ich heute am Dienstag mal wieder eine kleine Runde ganz locker laufen und am Mittwoch gibt es endlich wieder Karatetraining ohne Schonung. Für alle, die jetzt Geschmack aufs Laufen bekommen haben - man kann sich noch zum diesjährigen Run of Colours anmelden.

Laufdetails:

Ich wollte mit 6:00 bis 6:30 laufen. Durch die Hitze sind es auf den ersten 15 km aber eine 6:40 geworden. Bei 20 km ist es schon eine 6:45 geworden. Wenn ich allerdings die Trink- und Erfrischungpausen abziehe lage ich bis dahin genau bei 6:30. Insgesamt habe ich 39 Minuten Pausen gemacht, so dass ich insgesamt inkl. Pausen 7:43 und ohne Pausen einen Schnitt von 6:58 gelaufen bin. Die letzten 4 Kilometer sind wir übrigens in einem 6:25 Schnitt gelaufen. Insgesamt habe ich nach App 9 Liter Flüssigkeit verloren (und so hat es sich auch angefühlt) und 4.812 Kalorien verbraucht. Ich konnte nur ca. 5 Liter Flüssigkeit trinken, mehr ging einfach nicht rein, und hatte direkt nach dem Lauf 2 Kilo abgenommen. Und ich bin immer noch glücklich :-)

Erfrischung

Wanderpass

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