Karatetraining 2.0 Gestern Abend war wieder Karatetraining angesagt. Dieses Mal, ohne dass die Gruppe vorher den Fußboden des Dojos (der Trainingshalle) wischen musste. Ich war ganz (positiv) überrascht.

Wenn ich Freunden oder Bekannten erzähle, dass ich Karate mache, denken die meisten an wilde Gefechte oder Ziegelsteine, die wir mit der bloßen Hand durchhaken. Ich würde es ja eher mit (hoffentlich) kontrollierten Kämpfen und Technikübung (Schläge, Tritte und Co.) beschreiben. Manchmal sogar ein bisschen, wie ich es mir beim Militär vorstelle. Der Trainer sagt an und die Schüler machen brav zack im gewünschten Tempo und der entsprechenden Kraft die angesagt Technik.

Das Training hier ist sehr ähnlich. Insgesamt liegt der Fokus des Trainings sehr ausgewogen bei Kumite, also Kämpfen (meist zum Aufwärmen), Kihon, den Grundtechniken und Kata, Techniken in einer bestimmten vorgeschriebenen Reihenfolge, Schnelligkeit und Form oder Bunkai, Anwendung der Kata-Techniken bzw. Selbstverteidigung.

Inhaltlich macht mir das Training viel Spaß, aber was die Verhaltensregeln im Dojo angehen, sind Verena (auch eine Deutsche, die allerdings die letzten 8 Jahre in Holland Trainiert hat) und ich wohl etwas angeeckt…;-) Aber woher sollten wir das auch alles wissen?

Jedenfalls gab's letzte Woche nach dem Training eine Erläuterung von Trainer Allan, den wir natürlich Sensai Allan nennen, wenn wir ihn ansprechen, aber auch wenn wir über ihn sprechen. Und selbst wenn wir nach dem Training noch etwas trinken gehen, bleibt es bei Sensai Allan. Ebenso alle anderen Schwarzgurte, die je Training gegeben haben (und da laufen einige rum!), werden stets mit Sensai angesprochen.

Respekt vor höheren Graduierungen wird ganz groß geschrieben. Wenn sich der Trainer verbeugt, verbeugen sich die Schüler immer ein Stückchen tiefer. Außerdem wird jedes Training sofort unterbrochen, wenn ein höherer Schwarzgurt (also so ab dem 2. spätestens 3. DAN) das Dojo betritt und man verbeugt sich brav.

Oh je, oh je, und ich bin zu Trainingsbeginn einfach zum Trainer gegangen und hab ihm die Hand geschüttelt, ich glaub beim zweiten Mal sogar nur die Hand gehoben, kurz rüber gewunken und in Eile in die Umkleide gestürmt…Aber Verena hat sich auch das ein oder andere Fettnäpfchen erlaubt. Sie hat die Arme vor dem Körper verschränkt, während sie einer Erklärung gelauscht hat. Ein anderes Mal hat sie sich an die Wand gelehnt, während uns etwas vorgeführt wird. Alles verboten!

Nun geben wir unser Bestes, die Verhaltensregeln zu verinnerlichen und uns gut zu integrieren. Auch wenn es ein bisschen witzig ist, denn Verena verbeugt sich jetzt immer extra tief. Ich muss mir dann manchmal echt ein Lachen verkneifen.

Extrem übertrieben fand ich dann allerdings, als Sensai Allan sagte, man dürfe keine Freundschaften mit den Leuten pflegen, mit denen man Trainiert. Wir wären alle hier, um zu lernen und das geht wohl besser, wenn man außerhalb des Dojos nichts miteinander zu tun hat. Zu spät, mit Verena war ich schon was Trinken…

Man kann übrigens auch nicht einfach ein Training versäumen, sondern muss vorher bei Sensai Allan anrufen und absagen oder in der Trainingseinheit davor Bescheid sagen. Mich würde es als Trainer ja unglaublich nerven, wenn ich am Nachmittag 10 Anrufe bekommen würde…

Andererseits darf man übrigens auch nicht einfach so zum Oberstufentraining (Braun- und Schwarzgurte) erscheinen. Man muss schon ausdrücklich von Sensai Allan eingeladen werden. Aber Verena (ebenfalls 1. DAN) und ich sind eingeladen worden. Puh.

Am Dienstag konnte ich leider nicht zum Training kommen und hab natürlich vorher brav abgesagt. Verena war allerdings da und hat mir erzählt, dass Sensai Mary Ann (7. DAN) das Training gemacht hat. Und das war wohl nicht nur äußerst gut, sondern auch lustig. Ich hoffe, ich komme bald auch mal in den Genuss bei ihr zu Trainieren. So richtig habe ich noch nicht verstanden, welcher Sensai wann welches Training macht.

Ich muss allerdings sagen (und ich befürchte, das liegt auch an der strengen Disziplin im Dojo), das Niveau des Trainings, ist schon ordentlich. Gestern haben zwei Teenie-Braungurte die Kata Empi gezeigt und ich war begeistert! So eine Kraft, Schnelligkeit und dabei korrekte Stände und Techniken hab ich bei Jungs in dem Alter außerhalb des Kadertrainings noch nicht gesehen.

Die Beiden starten wohl mit einer dritten Person, die gestern allerdings nicht da war, beim Wettkampf gegen andere Shotokan Vereine aus Somerset West, Caledon etc. und sogar Johannesburg.

Und wie ich nun gestern erfahren habe, soll auch ich bei dem Wettkampf starten. Meine Augen geglänzten schon. Endlich wieder ein Kata-Team. Mit Sensai Veronika (3. DAN) und Verena bildeten wir ein Team und wir trainierten fleißig die Kata Kanku Shô. Ein Glück hatten wir genau die Kata in Deutschland zuletzt geübt. Lief auch alles ganz okay – mal abgesehen von ein paar kleinen Feinheiten, die hier einfach anders gemacht werden. Natürlich war das Kata Team von Sensai Niki, Sensai Bobby und Sensai Veronika (sie macht jetzt in zwei Teams mit) wesentlich besser, aber dennoch, mit ein paar Monaten Training würden wir das bestimmt hinkriegen, uns beim Wettkampf in Somerset West nicht zu blamieren. Allerdings erfuhr ich dann, dass der Wettkampf schon am 4. Mai ist. Am 4. Mai? Ich dachte, ich hab mich verhört. Das sind ja nur noch 3 Wochen!? Hilfe!! Das wird lustig…

Gestern hab ich noch mal aufmerksam zugehört, als wir beim Abgrüßen brav die Dojo Kun (die Regeln) aufgesagt haben. Nun kann ich sie euch verraten:

 Be faithful = sei ergeben

 Respect others = achte und schätze andere

 Endever = hab ein Ziel vor Augen

 Seek profection of character = forme deinen Charakter

 Refrain from violent behavior = wende keine Gewalt an

Alles in allem kann ich jedoch sagen, das Training macht Spaß und Samstagvormittag werde ich wohl wieder 2 Stunden dort schwitzen. Eigentlich hatte ich ja vorgehabt mit dem Radel-Trüppchen beim „aturday morning cycle-coffee-ride" mitzumachen, aber nun ist da ja dieser Wettkampf, für den ich mich vorbereite…Außerdem sagte Veronika gestern etwas von Frühstück nach dem Training. Also ist ein bisschen mehr als nur „ampfpartner" ja wohl doch erlaubt.

Bei unserem privaten Treffen – ich weiß nicht, ob wir das nun verheimlichen müssen? – hat mir Verena vom Karatetraining in Holland erzählt. Das fand ich echt spannend. Ich glaube, insgesamt ist Karate in Holland ähnlich wie in Deutschland, also von den Regeln und Details in den Katas her ähnlicher als Deutschland und Südafrika, aber insgesamt gibt's ohnehin keine so riesen großen Unterschiede. Allerdings ist es in Holland so, dass die DAN-Prüfungen zwei Mal im Jahr stattfinden und die Prüflinge die Prüfung vor 4 verschiedenen, unbekannten Prüfern ablegen. Und dort bestehen wohl nur 40 %.

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